Winterreifen im Sommer fahren: Was erlaubt ist und was es Dich kostet
Winterreifen im Sommer fahren ist in Deutschland erlaubt, ein Bußgeld dafür gibt es nicht. Ein Spartipp ist es trotzdem selten: Auf warmer Straße wird der Bremsweg länger, das weiche Gummi reibt sich schneller ab, und nach einem Unfall kann die Reifenwahl zur Haftungsfrage werden. Hier erfährst Du, was das Gesetz verlangt, was Bremstests zeigen, wann sich das Aufbrauchen alter Winterreifen noch lohnt und was im Urlaub in Italien gilt.
Inhaltsverzeichnis
Die kurze Antwort vorweg
Ja, Du darfst Deine Winterreifen auch im Sommer fahren. Weil das Gesetz für die warme Jahreszeit keine Reifenart vorschreibt, droht dafür auch keine Strafe. Der ADAC rät trotzdem zum Wechsel:
- Bremsweg: Auf heißer, trockener Fahrbahn kamen neue Winterreifen im ADAC-Test bis zu 16 Meter später zum Stehen.
- Verschleiß: Die weiche Wintermischung verliert bei Hitze spürbar schneller Profil.
- Versicherung: Eine automatische Kürzung gibt es nicht, im Einzelfall kann der längere Bremsweg aber zählen.
- Urlaub: In Italien sind Winterreifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex nach dem 15. Mai nicht mehr zulässig.
Ab wann Sommerreifen ans Auto gehören, verrät Dir das Thermometer am Morgen besser als der Kalender.
Was das Gesetz sagt
Im Sommer gelten für Winterreifen dieselben Grundregeln wie für jeden Reifen, vor allem mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe im Hauptprofil nach Paragraph 36 Absatz 3 StVZO.
Leicht übersehen wird der Geschwindigkeitsindex. Ist Dein Winterreifen für eine geringere Höchstgeschwindigkeit freigegeben, als Dein Auto erreicht, verlangt Paragraph 36 Absatz 5 StVZO einen gut sichtbaren Hinweis in Deinem Blickfeld, etwa als Aufkleber oder Anzeige im Display, und Du darfst nicht schneller fahren. Das gilt, solange die Winterreifen montiert sind, also auch im Juli. Fehlt der Hinweis, nennt der Bußgeldkatalog 5 Euro Verwarnungsgeld, mit zusätzlich zu hohem Tempo sind es 25 Euro.
Seit dem 01.10.2024 zählt in Deutschland nur ein Reifen mit Alpine-Symbol als Winterreifen, eine reine M+S-Kennung genügt nicht mehr. Für das Fahren im Sommer hat das keine Bedeutung. Es entscheidet nur darüber, ob Dein Reifen im nächsten Winter noch als Winterreifen gilt.
Bremsweg und Fahrverhalten bei Wärme
Je wärmer es ist, desto schlechter bremst ein Auto auf Winterreifen. Im ADAC-Test aus 100 km/h auf trockener Fahrbahn brauchten neue Winterreifen bei 35 Grad im ungünstigsten Fall bis zu 16 Meter mehr Bremsweg als Sommerreifen. Als das Auto auf Sommerreifen bereits stand, zeigte der Tacho mit Winterreifen noch rund 37 km/h. Mit Winterreifen, die nur noch etwa 4 Millimeter Profil hatten, betrug der Abstand im Test rund 5 Meter.
Laut ADAC Hessen-Thüringen liegt das am weicheren Gummi und an den zahlreicheren, tieferen Lamellen. Auf warmer, trockener Straße wird das Fahrverhalten dadurch schwammig und unsicher, besonders mit voll beladenem Auto.
Unsere Grafik zeigt Werte des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) für eine Bremsung aus 90 km/h. Bei 20 Grad stand das Auto mit Winterreifen nach 67 Metern, mit Sommerreifen schon nach 65,3 Metern. Bei 5 Grad dreht sich das Verhältnis um: 65,8 Meter auf Winterreifen gegen 70,5 Meter auf Sommerreifen. Jeder Reifen bremst also in der Jahreszeit am besten, für die er gebaut ist.
Dass der ADAC deutlich größere Abstände misst, ist kein Widerspruch. Es sind zwei verschiedene Tests: Der ADAC bremste aus 100 km/h bei 35 Grad, die Grafik zeigt eine Bremsung aus 90 km/h bei 20 Grad. Bremstests mit anderem Tempo, anderen Reifen und anderen Bedingungen liefern andere Werte. Ob die Straße nass oder trocken war, gibt die Grafik nicht an. Die Richtung ist dieselbe: Mit der Temperatur wächst der Nachteil des Winterreifens.
| Merkmal | Winterreifen bei Wärme | Sommerreifen bei Wärme |
|---|---|---|
| Gummimischung | weich, für Kälte gemacht | auf warme Temperaturen abgestimmt |
| Profil | mehr und tiefere Lamellen | weniger und flachere Lamellen |
| Bremsweg trocken aus 100 km/h | neu bis zu 16 m länger, mit etwa 4 mm Profil rund 5 m länger | Vergleichswert im ADAC-Test |
| Verschleiß | laut ADAC deutlich höher | für Wärme ausgelegt |
| Fahrverhalten | schwammig und unsicher, vor allem beladen | stabil auf warmer Straße |
Versicherung und Haftung
Mit Winterreifen im Sommer verlierst Du Deinen Versicherungsschutz nicht. Die Kfz-Haftpflicht reguliert den Schaden Deines Unfallgegners grundsätzlich wie bei jedem anderen Unfall.
Hat der längere Bremsweg den Unfall mit verursacht, kann sich das im Einzelfall auf die Haftungsquote auswirken oder auf die Leistung Deiner Kaskoversicherung für den eigenen Schaden. Eine feste Kürzung, die immer greift, gibt es nicht. Entscheidend ist, welche Rolle die Reifen beim Unfall gespielt haben.
Verschleiß und Verbrauch
Der erhoffte Spareffekt kehrt sich im Sommer meist um. Der ADAC spricht von deutlich höherem Verschleiß, weil die weiche Mischung für hohe Temperaturen nicht gedacht ist. Jeder Millimeter, den Du im Juli auf heißem Asphalt lässt, fehlt Dir im nächsten Winter, wenn Schnee und Matsch genau dieses Profil verlangen.
Beim Verbrauch geht es in dieselbe Richtung, nur schwächer. Winterreifen haben meist einen etwas höheren Rollwiderstand als Sommerreifen, das kostet tendenziell etwas mehr Kraftstoff oder Strom. Eine belastbare Zahl dafür gibt es nicht, sie hängt vom einzelnen Reifen ab.
Alte Winterreifen im Sommer aufbrauchen?
Aufbrauchen lohnt sich nur in engen Grenzen: in den Übergangsmonaten und solange das Profil reicht. Laut ADAC Hessen-Thüringen sind April und Mai mit ihren mäßigen Temperaturen weniger kritisch, spätestens im Mai sollten die Sommerreifen aber ans Auto.
Wie viel Sicherheit ein abgefahrenes Profil kostet, zeigt ein ADAC-Test mit fünf Winterreifen in einer gängigen Kleinwagengröße auf nasser Fahrbahn. Neu kamen sie im Schnitt nach 31,9 Metern zum Stehen, mit nur noch 2 Millimetern Profil erst nach 37,3 Metern. Das sind rund 5 Meter oder 17 Prozent mehr. Beim Querwasser-Aquaplaning ging mit 2 Millimetern mehr als die Hälfte der Sicherheitsreserve verloren.
Spürbare Einbußen fand der ADAC schon bei 4 Millimetern und rät deshalb, Winterreifen ab dieser Profiltiefe zu ersetzen. Für das Fahren im Sommer nennt der Club zusätzlich 3 Millimeter als Grenze, darunter steigt die Gefahr von Aquaplaning. Wichtig: Diese 5 Meter vergleichen neue und abgefahrene Winterreifen auf Nässe, nicht Winter- und Sommerreifen auf trockener Straße.
| Restprofil oder Alter | Was gilt | Was Du tust |
|---|---|---|
| mehr als 4 mm | als Winterreifen weiter brauchbar | einlagern und im Sommer Sommerreifen fahren |
| 3 bis 4 mm | ADAC rät, Winterreifen ab 4 mm zu ersetzen | in April und Mai abfahren, dann ersetzen |
| unter 3 mm | laut ADAC steigt die Aquaplaninggefahr | nicht mehr in den Sommer mitnehmen |
| unter 1,6 mm | gesetzliches Minimum unterschritten | nicht mehr fahren |
| älter als 8 Jahre | keine gesetzliche Grenze, der ADAC rät zum Ersatz idealerweise mit 6, spätestens mit 8 Jahren | Alter an der DOT-Nummer ablesen und den Reifen ersetzen |
Hat Dein Reifen noch deutlich mehr als 4 Millimeter, ist er im Keller besser aufgehoben als auf heißem Asphalt. Dann bleibt genug Profil übrig, wenn Du Deine Winterreifen im Herbst aufziehst.
Winterreifen mit reiner M+S-Kennung, also ohne Alpine-Symbol, darfst Du im Sommer grundsätzlich fahren, denn eine Sommerreifenpflicht gibt es nicht. Einen Haken gibt es beim Geschwindigkeitsindex: Die Ausnahme in Paragraph 36 Absatz 5 StVZO gilt für Winterreifen nach Absatz 4, also für Reifen mit Alpine-Symbol. Ein Reifen nur mit M+S zählt seit Oktober 2024 nicht mehr dazu. Liegt der Index Deines M+S-Reifens unter dem Wert, den Dein Auto braucht, lass die Zulässigkeit in einer Fachwerkstatt prüfen.
Mit Winterreifen ins Ausland
Für Italien gibt es eine Sonderregel. Winterreifen mit einem niedrigeren Geschwindigkeitsindex als im Fahrzeugschein sind dort nur bis zum 15. Mai erlaubt. Ab dem 16. Mai müssen die Reifen mindestens den eingetragenen Index erreichen, sonst drohen eine Geldstrafe von mehreren hundert Euro und der Einzug des Fahrzeugscheins. Winterreifen mit passendem Index betrifft das nicht. Stand Oktober 2026, prüfe die Vorgaben vor der Reise beim Automobilclub.
Belegt ist eine solche Sommerregel nur für Italien. Ob in Österreich, der Schweiz, Tschechien oder Frankreich etwas Ähnliches gilt, siehst Du vor der Reise am besten beim Automobilclub nach. Österreich verlangt Winterausrüstung nur zwischen 1. November und 15. April und nur bei winterlichen Straßenverhältnissen.
Die Alternativen: Ganzjahresreifen oder zweiter Radsatz
Wenn Dir der Wechsel zweimal im Jahr zu lästig ist, gibt es zwei saubere Lösungen. Die erste sind Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol, laut ADAC am ehesten etwas für Wenig- und Gelegenheitsfahrer. Die Qualität schwankt stark: Im ADAC-Ganzjahresreifentest 2026 mit 16 Modellen in einer gängigen Kleinwagengröße erreichte als einziges Modell der Continental AllSeasonContact 2 die Note "gut" (2,3). Pirelli Cinturato All Season SF 3 und Michelin CrossClimate 2 folgten mit je 2,6, fünf Modelle fielen mit "mangelhaft" durch. Ob Ganzjahresreifen oder Winterreifen besser zu Dir passen, hängt von Deiner Fahrleistung und Deinen Strecken im Winter ab.
Die zweite Lösung ist ein eigener Radsatz für den Sommer. Sind die Sommerreifen schon auf eigenen Felgen montiert, tauschst Du im Frühjahr nur vier komplette Räder. Niemand muss Reifen von der Felge ziehen und neu aufziehen, und Du bist nicht auf einen freien Montagetermin angewiesen.
Mit einem stabilen Wagenheber und einem Drehmomentschlüssel kannst Du den Räderwechsel selbst durchführen. Die Radschrauben ziehst Du mit dem Drehmoment an, das der Hersteller für Dein Fahrzeug vorgibt.
Den Winterradsatz bewahrst Du bis zum Herbst gereinigt und trocken auf. Um die Räder richtig einlagern zu können, legst Du sie flach hin oder hängst sie auf.
Bei der Felge für den zweiten Satz entscheidet die Passform. Originale Felgen sind für Dein Modell freigegeben, Lochkreis und Einpresstiefe stimmen, eine Einzelabnahme beim TÜV ist nicht nötig. Als Kompletträder kommen sie mit bereits montierten Reifen. Ob Audi, BMW, Mercedes oder Porsche: Bei OR24.de bekommst Du solche Felgen und Kompletträder passend zu Deinem Modell.
Fazit: Erlaubt, aber selten die bessere Wahl
Winterreifen im Sommer kosten Dich kein Bußgeld, aber Bremsweg, Profil und etwas Kraftstoff. Alte Winterreifen mit mehr als 3 Millimetern kannst Du in April und Mai noch abfahren, danach gehören Sommerreifen ans Auto. Bei niedrigerem Index brauchst Du den Hinweis vor Augen, und in Italien endet die Frist für solche Reifen am 15. Mai.
Häufige Fragen zu Winterreifen im Sommer
Ja, der Versicherungsschutz bleibt bestehen, und die Haftpflicht zahlt den Schaden Deines Unfallgegners wie sonst auch. Hat der längere Bremsweg den Unfall mit verursacht, kann das im Einzelfall die Haftungsquote oder die Leistung der Kaskoversicherung beeinflussen. Eine automatische Kürzung nur wegen der Reifen gibt es nicht.
Für die Winterreifen selbst keine, eine Sommerreifenpflicht gibt es nicht. Zahlen musst Du nur, wenn Dein Reifen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex hat und der Hinweis im Auto fehlt: laut Bußgeldkatalog 5 Euro, mit zusätzlich zu hohem Tempo 25 Euro. In Italien sind solche Reifen nach dem 15. Mai nicht mehr zulässig, dort wird es deutlich teurer.
Rechtlich nichts, technisch einiges. Im ADAC-Test brauchten neue Winterreifen bei 35 Grad aus 100 km/h bis zu 16 Meter mehr Bremsweg als Sommerreifen. Das Auto fährt sich schwammiger, besonders beladen, und die weiche Mischung verliert schneller Profil. Ist der Juni schon da, wechsle möglichst bald.
Ja, ohne Glätte spielt das Symbol keine Rolle, nötig sind mindestens 1,6 Millimeter Profil. Sinnvoll ist das Aufbrauchen nur in April und Mai und nicht mit weniger als 3 Millimetern. Liegt der Geschwindigkeitsindex unter dem Wert Deines Autos, lass die Zulässigkeit in einer Fachwerkstatt prüfen.
In Italien teilweise: Winterreifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex als im Fahrzeugschein sind dort nur bis zum 15. Mai erlaubt. Danach drohen mehrere hundert Euro Strafe und der Einzug des Fahrzeugscheins. Mit passendem Index bist Du nicht betroffen. Belegt ist diese Regel nur für Italien, für andere Reiseländer siehst Du vor der Reise beim Automobilclub nach. Stand Oktober 2026.
Spätestens im Mai, so rät es der ADAC Hessen-Thüringen. Im April und Mai sind die Temperaturen meist noch mäßig und Winterreifen deshalb weniger kritisch, danach wächst der Nachteil beim Bremsen. Fährst Du mit Winterreifen mit niedrigerem Index nach Italien, musst Du bis zum 15. Mai gewechselt haben.
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