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Alpine-Symbol bei Winterreifen: Was seit Oktober 2024 gilt und was mit M+S-Reifen passiert

Alpine-Symbol bei Winterreifen: Was seit Oktober 2024 gilt und was mit M+S-Reifen passiert

Lesezeit: 7 Min.
OR24
23.09.2026

Bei Glätte zählt seit dem 01.10.2024 nur noch eines: das Alpine-Symbol auf der Reifenflanke. Ein Reifen, der lediglich die alte M+S-Prägung trägt, reicht nicht mehr aus, auch wenn er kaum gefahren wurde und genug Profil hat. Hier liest Du, woran Du das Symbol erkennst, was aus Deinen alten M+S-Reifen wird, was ein Verstoß kostet und welche Regeln in Österreich, der Schweiz, Italien und Frankreich gelten.


Gilt das Alpine-Symbol als Pflicht?

Ja, allerdings nur situativ. § 2 Absatz 3a StVO erlaubt die Fahrt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur dann, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die den Anforderungen des § 36 Absatz 4 StVZO genügen. Eine kalendarische Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht. Bleibt die Straße trocken und eisfrei, darfst Du auch im Januar mit Sommerreifen fahren.

Der § 36 Absatz 4 StVZO verlangt zwei Dinge gleichzeitig: Der Reifen muss beim Anfahren, beim Stabilisieren der Fahrzeugbewegung und beim Abbremsen auf Schnee bessere Fahreigenschaften haben als ein normaler Reifen, und er muss das Alpine-Symbol nach der Regelung Nr. 117 der UNECE tragen. Beides zusammen, nicht wahlweise.

Die Übergangsfrist für reine M+S-Reifen endete am 30.09.2024. Seit dem 01.10.2024 ist das Alpine-Symbol der einzige gültige Nachweis, und zwar unabhängig davon, wann der Reifen hergestellt wurde.

So erkennst Du das Alpine-Symbol am Reifen

Alpine-Symbol mit dreigezacktem Berg und Schneeflocke auf der Flanke eines Winterreifens

Das Alpine-Symbol ist in die Reifenflanke eingeprägt und zeigt einen dreigezackten Berg mit einer Schneeflocke darin. Es sitzt meist in der Nähe der Größenangabe, ist klein und lässt sich gut ertasten. Findest Du dort nur die Buchstaben M+S, hat der Reifen keine anerkannte Winterkennzeichnung.

Herstellerbegriffe wie All Season oder Alpine Proven sehen nach Wintertauglichkeit aus, sind rechtlich aber bedeutungslos. Auch Ganzjahresreifen brauchen das Symbol.

Neben dem Piktogramm stehen auf der Flanke die Reifengröße, der Geschwindigkeitsindex und die DOT-Kennung. Wer schon einmal dort liest, prüft beides in einem Durchgang.

Kennzeichnung im Vergleich

Kennzeichnung auf der Flanke Bei Glätte erlaubt Bemerkung
M+S und Alpine-Symbol Ja erfüllt § 36 Absatz 4 StVZO, gilt für Winter- und Ganzjahresreifen gleichermaßen
nur M+S Nein seit dem 01.10.2024 nicht mehr zulässig, unabhängig vom Herstellungsjahr
weder M+S noch Alpine-Symbol Nein klassischer Sommerreifen, bei winterlichen Verhältnissen nie erlaubt

Was aus Deinen alten M+S-Reifen wird

Hände prüfen die Flanke eines Winterreifens mit einer Taschenlampe

Wie alt ein Reifen ist, verrät die DOT-Nummer auf der Flanke. Die letzten vier Ziffern nennen Herstellungswoche und Jahr: 2123 steht für die 21. Kalenderwoche 2023. Das Kaufdatum spielt dabei keine Rolle.

Für die Alpine-Frage ändert das Baujahr seit dem 01.10.2024 nichts mehr. Auch ein junger, kaum gefahrener Reifen ohne Symbol ist bei Schneematsch tabu.

Wegwerfen musst Du einen gut erhaltenen Reifen deswegen nicht. Solange Alter und Zustand stimmen, kannst Du ihn bei warmem Wetter im Sommer weiterfahren und so aufbrauchen. Rechne dabei mit einem längeren Bremsweg als mit einem Sommerreifen, denn die weiche Mischung mag Hitze nicht.

Was ein Verstoß kostet

Wer bei Glätte ohne vorschriftsmäßige Reifen unterwegs ist, zahlt 60 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Kommen Behinderung, Gefährdung oder ein Unfall dazu, steigt der Betrag stufenweise an.

Tatbestand Bußgeld Punkte
ohne vorschriftsmäßige Winterreifen gefahren 60 Euro 1
dabei andere behindert 80 Euro 1
dabei andere gefährdet 100 Euro 1
dabei einen Unfall verursacht 120 Euro 1
Quelle: bussgeldkatalog.org

Zur Kasse gebeten wird nicht nur der Fahrer. Nach § 31 Absatz 2 StVZO darf der Halter eine Fahrt weder anordnen noch zulassen, wenn er weiß oder wissen muss, dass das Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig ausgerüstet ist. Schon das Dulden genügt. Der Regelsatz für den Halter liegt bei 90 bis 270 Euro. Wer sein Auto im Winter verleiht, wirft deshalb besser selbst einen Blick auf die Flanke.

Was die Versicherung nach einem Unfall zahlt

Eine Pauschalantwort gibt es hier nicht, und die verbreitete Sorge, die Versicherung zahle dann gar nichts, trifft so nicht zu. Falsche Bereifung allein begründet noch keine grobe Fahrlässigkeit nach § 81 Absatz 2 VVG. Eine Kaskoversicherung darf deshalb nicht automatisch kürzen, nur weil auf den Rädern das Alpine-Symbol fehlte.

Dazu kommen muss ein erheblich gesteigertes Verschulden, etwa wenn sich die besondere Gefährlichkeit der Fahrt aufdrängen musste. Nachweisen muss das die Versicherung, die Beweislast liegt also nicht bei Dir. Je überraschender die Glätte auftrat, desto schwerer fällt dieser Nachweis. Ein Freibrief ist das trotzdem nicht: Wer bei angekündigtem Schneefall mit Sommerreifen losfährt, steht danach deutlich schlechter da.

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Was hinter dem Symbol steckt

3PMSF steht für Three Peak Mountain Snow Flake, also für den dreigezackten Berg mit der Schneeflocke. Rechtsgrundlage der Kennzeichnung ist die Regelung Nr. 117 der UNECE, auf die § 36 Absatz 4 StVZO direkt verweist.

Geprüft werden Traktion und Bremsverhalten auf Schnee, gemessen gegen einen festgelegten Referenzreifen. Die alte M+S-Prägung konnte das nie leisten, denn sie war nicht geschützt und jeder Hersteller durfte sie selbst vergeben, ohne dass ein genormter Test dahinterstand. Genau diese Grauzone hat der Gesetzgeber geschlossen.

Neu produzierte Winterreifen tragen das Symbol seit 2018 durchgängig. Wer in den vergangenen Jahren neue Winterreifen gekauft hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der sicheren Seite. Der prüfende Blick auf die Flanke dauert trotzdem keine Minute.

Für welche Fahrzeuge die Pflicht gilt

Die Vorschrift verpflichtet den Führer eines Kraftfahrzeugs, alle Räder des Kraftfahrzeugs entsprechend auszurüsten. Pkw, Wohnmobile und Transporter bis 3,5 Tonnen werden dabei gleich behandelt. Bei Lkw über 3,5 Tonnen müssen die Antriebsachsen mit Winterreifen bestückt sein.

Ausgenommen sind einspurige Kraftfahrzeuge, also Motorräder, dazu land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Wer mit Wohnwagen oder Anhänger unterwegs ist, richtet sich nach dem Zugfahrzeug, denn die Pflicht knüpft am Kraftfahrzeug und seinen Rädern an.

Wenn Du ohnehin über einen zweiten Radsatz nachdenkst: Alufelgen im Winter sind unproblematisch, solange Rad und Reifen zum Fahrzeug passen. Original Kompletträder bringen die passende Größe und die Herstellerfreigabe direkt mit, damit erledigt sich die Frage nach Einpresstiefe und Lochkreis von selbst.

Was im Ausland gilt

Winterkomplettrad an einem Fahrzeug auf einer schneebedeckten Bergstraße

Hinter der Grenze gelten eigene Regeln, und das deutsche Recht endet dort. Österreich verlangt von 01.11. bis 15.04. bei winterlichen Verhältnissen eine Winterausrüstung, bei Verstößen sind Bußgelder bis 5.000 Euro möglich.

In Frankreich zählt seit November 2024 in den Bergregionen nur noch 3PMSF, und zwar mit mindestens 3,5 mm Profiltiefe.

Die Schweiz kennt keine gesetzliche Winterreifenpflicht, bei einem Unfall mit ungeeigneter Bereifung droht Dir aber ein Mitverschulden. Italien regelt das nicht landesweit einheitlich, sondern je Provinz und Streckenbetreiber, etwa auf der Brennerautobahn A22 und im Aostatal.

Land Zeitraum Anerkannte Kennzeichnung Strafe
Österreich 01.11. bis 15.04., bei winterlichen Verhältnissen Alpine-Symbol, reines M+S läuft aus bis 5.000 Euro
Schweiz keine gesetzliche Pflicht keine Vorgabe, Schneeketten nach Beschilderung Mitverschulden bei einem Unfall
Italien je Provinz und Betreiber, etwa Brenner A22 und Aostatal 15.10. bis 15.04. M+S oder Alpine-Symbol bis 345 Euro
Frankreich 01.11. bis 31.03. in 48 Bergregionen 3PMSF, mindestens 3,5 mm Profil 135 Euro
Quelle: adac.de

Fazit

Die Lage ist übersichtlich: Bei Glätte gehört auf jedes Rad ein Reifen mit Alpine-Symbol, alles andere kostet mindestens 60 Euro und einen Punkt. Wirf vor dem ersten Kälteeinbruch einen Blick auf die Flanke, lies nebenbei das DOT-Datum mit, und plane eine Fahrt in die Alpen mit den Regeln des Ziellandes. Dann ist das Thema für diesen Winter erledigt.

Häufige Fragen zum Alpine-Symbol

Ja, Reifen mit dem Alpine-Symbol sind bei Glätte sogar die einzig zulässige Bereifung. Das Symbol ist kein Auslaufmodell, sondern der gesetzlich geforderte Nachweis nach § 36 Absatz 4 StVZO. Solange Profil und Zustand stimmen, darfst Du solche Reifen ohne zeitliche Begrenzung weiterfahren. Ein Stichtag, ab dem sie ungültig würden, ist nicht vorgesehen.

Bei winterlichen Verhältnissen nicht mehr. Seit dem 01.10.2024 reicht die M+S-Prägung allein nicht aus, egal wann der Reifen hergestellt wurde. Die Übergangsfrist endete am 30.09.2024. Trägt der Reifen zusätzlich das Alpine-Symbol, ist alles in Ordnung. Auf trockener, eisfreier Straße darfst Du reine M+S-Reifen dagegen weiter nutzen.

Nein. M+S steht für Matsch und Schnee, und die Prägung war nie geschützt: Jeder Hersteller durfte sie vergeben, ohne dass ein genormter Test dahinterstand. Das Alpine-Symbol bekommt ein Reifen erst, wenn er bei Traktion und Bremsverhalten auf Schnee gegen einen Referenzreifen bestanden hat. Erst diese Prüfung macht einen Reifen rechtlich zum Winterreifen.

Viele ja, aber längst nicht alle. Für Ganzjahresreifen gilt dieselbe Regel wie für Winterreifen: Ohne das Bergpiktogramm mit Schneeflocke darfst Du bei Glätte nicht fahren. Verlass Dich deshalb nicht auf Produktnamen wie All Season, sondern schau vor dem Kauf und vor dem ersten Kälteeinbruch selbst auf die Flanke.

Ja. Das Verbot greift ausschließlich bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte. Auf sommerlicher Straße darfst Du einen alten M+S-Reifen aufbrauchen, solange Profiltiefe, Alter und Geschwindigkeitsindex passen. Denk dabei an den längeren Bremsweg: Die weiche Wintermischung baut bei Hitze weniger Grip auf als ein Sommerreifen.

Ja. Österreich verlangt bei winterlichen Verhältnissen zwischen dem 01.11. und dem 15.04. eine Winterausrüstung, und Reifen mit dem Alpine-Symbol erfüllen diese Vorgabe. Bei reinen M+S-Reifen ist die Lage dort uneindeutig, mit dem Symbol bist Du dagegen sicher unterwegs. Bußgelder können in Österreich bis zu 5.000 Euro erreichen.

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