Informationen zum Reifenquerschnitt
Für viele Laien ist die Größenbezeichnung eines Reifens eine Wissenschaft für sich. Besonders ein Wert sorgt dabei immer wieder für Verwirrung: der Reifenquerschnitt. Er gibt an, wie hoch die Reifenflanke im Verhältnis zur Reifenbreite ist, und zwar in Prozent. Worum es dabei genau geht und welche Einflüsse der Querschnitt auf das Fahrverhalten hat, erklärt Dir dieser Ratgeber.
Inhaltsverzeichnis
Was ist der Reifenquerschnitt?
Die typische Größenbezeichnung eines Pkw-Reifens lautet z. B.: 205/50 R16 87W. Dabei steht die Zahl hinter dem Schrägstrich, in diesem Fall also die 50, für den Reifenquerschnitt. Die 87 ist der Lastindex, das W der Geschwindigkeitsindex.
Hierbei handelt es sich um das Verhältnis von Höhe zu Breite des Reifens. Die Angabe erfolgt in Prozent. Beispiel: Die Zahl 50 bedeutet, dass die Höhe der Reifenflanke halb so groß ist wie die Breite. Ergo folgt: Je kleiner die Zahl, desto niedriger fällt die Reifenflanke aus. So messen die üblichen Reifen moderner, sportlicher Pkw heute z. B. 225/45 R17 oder 255/35 R20.
Erklärung des Beispiels 255/35 R20:
- 255Reifenbreite in Millimetern
- 35Reifenquerschnitt, also die Höhe der Reifenflanke beträgt 35 % der Reifenbreite. Rechnerisch sind das rund 89 mm.
- R20R steht für die Radialbauweise des Reifens, 20 für den Felgendurchmesser in Zoll.
- ZR auf dem FotoAuf dem Reifen im Foto steht 255/35 ZR 20. Das Z vor dem R zeigt, dass der Reifen für Geschwindigkeiten über 240 km/h geeignet ist.
Solche Größen findest Du vor allem an sportlichen Modellen.
Übrigens: Gemessen wird der Querschnitt auf einer festgelegten Messfelge, mit einem genormten Prüfdruck (bei normalen Pkw-Radialreifen 1,8 bar) und ohne Last. Auf Deinem Auto kann die Flanke deshalb etwas anders ausfallen.
Was ist ein Niederquerschnittsreifen?
Von einem Niederquerschnittsreifen spricht man heute meist, wenn die Flanke höchstens halb so hoch ist wie der Reifen breit, also ab einem Querschnitt von 50 und darunter. Eine feste Grenze in einer Norm gibt es dafür nicht. Was als flach gilt, hat sich über die Jahrzehnte verschoben: Früher galten schon Reifen mit einem Querschnittsverhältnis von rund 80 % als Niederquerschnittsreifen.
Breitreifen ist kein anderes Wort dafür: Breit beschreibt die Reifenbreite, Niederquerschnitt die niedrige Flanke. In der Praxis treffen beide oft zusammen. Typische Niederquerschnittsreifen sind 225/45 R17, 225/40 R18 oder 255/35 R20. Bei 225/40 R18 ist die Flanke rechnerisch 90 mm hoch, bei einem 195/65 R15 dagegen knapp 127 mm.
Die flache Flanke bringt Vor- und Nachteile mit sich. Sie macht die Lenkung direkter und das Auto in Kurven stabiler. Dafür federt sie Unebenheiten schlechter ab und schützt die Felge weniger vor Bordsteinen. Wie sich breite, flache Reifen bei Bremsweg, Aquaplaning und Verbrauch im ADAC-Vergleich schlagen, zeigen die Abschnitte zum Fahrverhalten und zu den Nachteilen weiter unten.
Wie hoch ist die Reifenflanke in Millimetern?
Die Flankenhöhe rechnest Du aus Breite und Querschnitt aus: Reifenbreite mal Querschnitt, geteilt durch 100. Bei 225/45 R17 sind das 225 x 45 / 100, also rund 101 mm. Für den Außendurchmesser des Rades nimmst Du den Felgendurchmesser in Millimetern (1 Zoll sind 25,4 mm) und zählst die Flanke zweimal dazu. Mal Pi ergibt das den Abrollumfang, also die Strecke, die das Rad bei einer Umdrehung zurücklegt.
Die Tabelle zeigt vier Größen, die der ADAC am VW Golf VII verglichen hat, und das Beispiel vom Foto. Mit jedem Zoll mehr an der Felge sinkt der Querschnitt, der Außendurchmesser ändert sich dabei kaum.
| Reifengröße | Flankenhöhe | Außendurchmesser | Abrollumfang |
|---|---|---|---|
| 195/65 R15 | 126,8 mm | 634,5 mm | 1.993 mm |
| 205/55 R16 | 112,8 mm | 631,9 mm | 1.985 mm |
| 225/45 R17 | 101,3 mm | 634,3 mm | 1.993 mm |
| 225/40 R18 | 90,0 mm | 637,2 mm | 2.002 mm |
| 255/35 R20 (Foto) | 89,3 mm | 686,5 mm | 2.157 mm |
Reifenquerschnitt 40 oder 45: Was ändert sich?
Ein anderer Querschnitt auf derselben Felge ändert den Außendurchmesser. Montierst Du 225/40 R17 statt 225/45 R17, schrumpft er rechnerisch von 634,3 auf 611,8 mm, der Abrollumfang wird rund 3,5 Prozent kleiner. Der Tacho zeigt dann 100 km/h, während Du tatsächlich nur rund 96,5 km/h fährst. Wichtiger als die Rechnung ist aber die Frage, ob die Größe für Dein Auto freigegeben ist. Wie Du das prüfst, steht im Abschnitt zum Reifenkauf.
Welchen Einfluss hat der Reifenquerschnitt auf das Fahrverhalten?
Generell gilt: Ein Reifen mit einem niedrigeren Querschnittsverhältnis reagiert auf die Seitenkraft wirksamer als ein Reifen mit einem höheren Querschnittsverhältnis. Das Querschnittsverhältnis beeinflusst die Lenkstabilität. Je kürzer die Seitenwand oder je geringer das Querschnittsverhältnis, desto schneller wird die Lenkeingabe vom Rad auf die Lauffläche übertragen. Das Ergebnis ist ein schnelleres Lenkansprechen.
Das Querschnittsverhältnis wirkt sich auch auf das Kurvenverhalten aus. Die niedrige, steife Flanke verformt sich in Kurven weniger. Das Auto reagiert direkter auf Lenkbewegungen.
Das Querschnittsverhältnis wirkt sich auch auf die Fahrstabilität aus. Ein Niederquerschnittsreifen hat in der Regel eine größere Fahrstabilität als ein Reifen mit höherer Flanke.
Insgesamt ergeben sich folgende Vorteile eines breiten Reifens mit niedrigem Querschnitt gegenüber einem schmaleren Reifen mit höherer Flanke. Die Bremswerte stammen aus dem ADAC-Vergleich am VW Golf VII:
- Stabileres Fahrverhalten, vor allem in Kurven
- Kürzerer Bremsweg auf trockener und nasser Straße. Aus 100 km/h stand der Golf auf trockener Fahrbahn mit 225/40 R18 nach 36,7 m, mit 195/65 R15 erst nach 38,8 m.
- Präziseres Lenkungshandling und besserer Halt in Kurven
- Auch die Optik macht einen Unterschied
Reifen mit 70er- oder 80er-Querschnitt sieht man heute vor allem an älteren Fahrzeugen. Moderne Autos rollen meist auf Querschnitten zwischen 65 und 35, sportliche Modelle meist auf Niederquerschnittsreifen. Doch warum ist das so?
Ein wichtiger Grund ist die Optik. Moderne Fahrzeuge sollen sportlich, bullig und elegant aussehen, was mit den früher verwendeten Reifen mit hoher Flanke nicht machbar ist. Stattdessen kommen möglichst große Felgen zum Einsatz, vorzugsweise aus Aluminium. Der Reifen soll dabei so wenig wie möglich sichtbar sein, was nur durch einen geringen Querschnitt zu erreichen ist. Die dadurch entstehende Optik ist mittlerweile sehr beliebt, sogar bei SUVs, die ja eigentlich auf höheren Reifen fürs Gelände stehen sollten.
Reifendruck in Abhängigkeit vom Reifenquerschnitt
Ebenso wie herkömmliche Reifen benötigen auch Niederquerschnittsreifen einen spezifischen Reifendruck. Bei diesen speziellen Reifen ist es jedoch umso wichtiger, dass die Angaben des Herstellers genau eingehalten werden. Ein zu hoher Druck im Reifen führt zu schlechterem Fahrkomfort und weniger Fahrsicherheit, ein zu niedriger Druck kann die Reifen aufgrund von Überhitzung beschädigen.
Den richtigen Reifendruck für Dein Auto nennt die Betriebsanleitung, außerdem ein Aufkleber an der Türkante, an der Säule, in der Handschuhfachklappe oder in der Tankklappe. Die Werte gelten für kalte Reifen, prüfe den Druck deshalb vor der Fahrt.
Gibt es auch negative Aspekte bei kleinerem Reifenquerschnitt?
Den genannten Vorteilen stehen, wie fast immer, auch ein paar Nachteile gegenüber. So sind Niederquerschnittsreifen und Breitreifen meist teurer als die klassischen Pkw-Reifen in schmalerer, höherer Bauweise. Im ADAC-Vergleich lagen zwischen der schmalsten und der breitesten Größe rund 85 Euro je Reifen.
Breite, flache Reifen schwimmen bei Aquaplaning früher auf und haben auf Schnee und Matsch weniger Grip als schmale Reifen mit höherer Flanke. Mit den schmalen Reifen konnte der Golf im ADAC-Vergleich über 10 km/h schneller fahren, bevor er aufschwamm.
Ein weiterer Nachteil ergibt sich durch den Komfortverlust. Dazu musst Du wissen: Die Federung Deines Wagens fällt aufgrund der geringeren Höhe der Reifenflanke entsprechend schlechter aus. Schuld daran ist die geringere Möglichkeit zur Eigenfederung des Reifens. Kein Wunder: Bei geringer Flankenhöhe bleibt einfach nicht mehr viel Platz, damit der Reifen die Stoßenergie aufnehmen kann. Da breite, flache Reifen schwerer sind und mehr Rollwiderstand haben, steigt laut ADAC der Verbrauch. Ein 18-Zoll-Rad wog im Test rund 5 kg mehr als ein 15-Zoll-Rad. Beim Verschleiß schneiden sie dagegen besser ab, weil die steifere Flanke den Reifen stabilisiert.
Achtung: Die extrem niedrigen Seitenwände eines Niederquerschnittsreifens begünstigen Beschädigungen am Reifen selbst und an der Felge, die beim Zusammenstoß mit einer Bordsteinkante entstehen.
Was ist beim Kauf von Reifen mit geringem Querschnitt zu beachten?
Zunächst einmal gilt es, Reifen mit dem passenden Geschwindigkeitsindex zu erwerben. Wirf dazu einen Blick in Deinen Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I): Unter T steht dort die Höchstgeschwindigkeit Deines Autos. Der auf dem Reifen angegebene Index bzw. die daraus resultierende Maximalgeschwindigkeit dürfen grundsätzlich höher sein als die im Fahrzeugschein eingetragene Höchstgeschwindigkeit, jedoch nicht niedriger.
Ausnahme sind Winterreifen mit Alpine-Symbol: Sie dürfen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben. Dann muss ein Aufkleber oder eine Anzeige im Blickfeld des Fahrers die Höchstgeschwindigkeit der Reifen nennen (§ 36 Abs. 5 StVZO), und Du darfst nicht schneller fahren.
Bei der Umrüstung und dem Reifenkauf musst Du einige Vorgaben beachten. Unter anderem muss ausreichend Platz zwischen Reifen und Kotflügel sein, damit keine Probleme beim Lenken oder Einfedern entstehen. Achte sorgfältig auf die Fahrzeugspezifikation bezüglich Last und Geschwindigkeit. Fahre nur Reifengrößen, die für Dein Auto freigegeben sind. Im Fahrzeugschein steht unter Ziffer 15 nur eine Größe je Achse, alle weiteren findest Du im CoC-Papier. Andere Größen brauchen eine Abnahme (StVZO § 19), sonst erlischt die Betriebserlaubnis.
Leidet durch eine nicht freigegebene Größe die Verkehrssicherheit wesentlich, drohen laut amtlichem Bußgeldkatalog 90 Euro und ein Punkt in Flensburg.
Fazit
Der Reifenquerschnitt ist mitnichten nur ein optischer Faktor bei Autoreifen. Er beeinflusst auch direkt das Fahrverhalten, den Komfort und den Verbrauch. Frei wählbar ist er trotzdem nicht: Er hängt an Felgengröße und Abrollumfang und muss für Dein Auto freigegeben sein.
FAQ - Häufige Fragen
Der Reifenquerschnitt ist das Verhältnis von Höhe zu Breite des Reifens, angegeben als Prozentsatz. Gemeint ist die Höhe der Reifenflanke. Bei 225/45 R17 ist die Flanke 45 Prozent von 225 mm hoch, also rund 101 mm. Du findest die Zahl auf der Reifenflanke direkt hinter dem Schrägstrich, zwischen Reifenbreite und Bauart.
Die niedrige, steife Flanke macht die Lenkung direkter und das Auto in Kurven stabiler. Breite, flache Reifen bremsen laut ADAC auf trockener und nasser Straße kürzer. Dafür federn sie Unebenheiten schlechter ab, schwimmen bei Aquaplaning früher auf und haben im Schnee weniger Grip als schmale Reifen mit höherer Flanke.
Präziseres Lenken, mehr Stabilität in Kurven und kürzere Bremswege auf trockener Straße. Im ADAC-Vergleich am VW Golf VII brauchte der Wagen aus 100 km/h mit 225/40 R18 nur 36,7 m, mit 195/65 R15 dagegen 38,8 m. Laut ADAC verschleißen breite Reifen mit stabiler Flanke außerdem langsamer. Dazu kommt die Optik mit großer Felge und schmaler Reifenflanke.
Ja. Sie federn weniger, sind teurer und schwerer und haben mehr Rollwiderstand, was den Verbrauch erhöht. Bei Aquaplaning und auf Schnee sind schmale Reifen mit höherer Flanke im Vorteil. Die niedrige Flanke schützt die Felge außerdem schlechter vor Bordsteinen und Schlaglöchern. Im ADAC-Vergleich kostete die breiteste Größe rund 85 Euro mehr je Reifen als die schmalste.
Üblich ist die Einordnung ab einem Querschnitt von 50 und darunter, also wenn die Flanke höchstens halb so hoch ist wie der Reifen breit. Eine feste Grenze in einer Norm gibt es nicht, früher galten schon Reifen mit rund 80 Prozent als flach. Typische Größen sind heute 225/45 R17, 225/40 R18 oder 255/35 R20.
Nur wenn die Größe für Dein Auto freigegeben ist. Der Fahrzeugschein nennt unter Ziffer 15 nur eine Größe je Achse, weitere stehen im CoC-Papier, alles andere braucht eine Abnahme. Ein anderer Querschnitt auf derselben Felge ändert außerdem den Abrollumfang: 225/40 R17 statt 225/45 R17 ist rechnerisch rund 3,5 Prozent kleiner, der Tacho geht dann entsprechend vor.
Damit der Außendurchmesser des Rades fast gleich bleibt. Beim VW Golf VII haben 195/65 R15 und 225/40 R18 rechnerisch nur rund 3 mm Unterschied im Durchmesser, obwohl die Felge 3 Zoll größer ist. Die Flanke schrumpft dafür von knapp 127 auf 90 mm. So passen Tacho und Abstand zum Radhaus weiterhin.
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