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Was sind Rundflat-Reifen?

Runflatreifen erkennen

Lesezeit: 9 Min.
Autor: OR24
31.01.2023

Das größte Problem bei herkömmlichen Luftreifen ist der Verlust von Luft, der sie unbrauchbar macht. Ein innovatives System zur Lösung dieses Problems sind Runflat-Reifen. Diese ermöglichen es, auch bei einem Luftdruckverlust weiterzufahren. Erkennen kannst Du sie an Kürzeln wie SSR, RFT, ZP oder ROF auf der Reifenflanke und am RSC-Symbol im Kreis. In diesem Ratgeber erfährst Du, was Runflat-Reifen sind, wie Du sie erkennst und welche Vor- und Nachteile sie haben.


Was sind Runflat-Reifen?

Querschnitt: Runflat-Reifen mit verstärkter Flanke im Vergleich zu einem Standardreifen ohne Luftdruck

Die Bezeichnung "Runflat" könnte man salopp mit "fährt auch platt" übersetzen. Technisch korrekt ausgedrückt heißt das: ein Reifen mit Notlaufeigenschaften. Es handelt sich hierbei um einen Fahrzeugluftreifen, der so konstruiert ist, dass er bei einer Reifenpanne den Auswirkungen eines Luftdruckverlustes widersteht und es ermöglicht, das Fahrzeug mit höchstens 80 km/h und meist bis zu 80 km weiterzufahren. Wie weit genau, hängt laut Michelin von Beladung, Außentemperatur und Straße ab. Verbindlich ist laut ADAC die Angabe im Handbuch Deines Autos.

Die Ursprünge des kommerziellen Run-Flat-Reifens reichen bis ins Jahr 1935 zurück. 1972 brachte Dunlop das Rad- und Reifensystem "Total Mobility Tyre" auf den Markt. BMW war laut ADAC im Jahr 2000 der erste Autohersteller, der ein Modell ab Werk mit Runflat-Reifen auslieferte: den Sportwagen Z8. Der Autohersteller wirbt für diese als Sicherheitsmerkmal und als Alternative zum Mitführen eines Ersatzreifens.

Der grundlegende Vorteil der Verwendung von Reifen mit Notlaufeigenschaften ist die fortgesetzte Mobilität im Falle eines Luftdruckverlustes, entweder aufgrund einer normalen Reifenpanne oder einer vorsätzlichen Beschädigung.

Runflat-Reifen funktionieren nur zusammen mit einem Reifendruckkontrollsystem, kurz RDKS, weil Du den Druckverlust wegen der steifen Flanke sonst kaum bemerkst. Continental und Michelin setzen es ausdrücklich voraus. Seit November 2014 muss jeder neu zugelassene Pkw ein RDKS haben.

Woran erkennt man den Runflat (RFT) Reifen?

Eine einheitliche Bezeichnung für Runflat Reifen gibt es bislang nicht. Daher unterscheiden sich die auf der Flanke aufgedruckten Kürzel mitunter stark voneinander. Je nach Hersteller weist eine andere Bezeichnung auf den speziellen Reifentyp hin. Gängige Kürzel sind zum Beispiel:

Kürzel auf der Flanke Hersteller Steht für
RFT Bridgestone Run Flat Tyre
SSR Continental Self Supporting Runflat, selbsttragender Runflat-Reifen
SST Michelin, Continental Self Supporting Tyre
ZP Michelin Zero Pressure
EMT Michelin Extended Mobility Tyre
ROF Goodyear, Dunlop RunOnFlat
DSST Dunlop Dunlop Self Supporting Technology
HRS Hankook Hankook Runflat System
XRP Kumho Runflat-Kennung von Kumho
Run Flat Pirelli Schriftzug auf der Seitenwand
RSC im Kreis herstellerübergreifend Run Flat System Component, ISO-Symbol
Quelle: adac.de, pirelli.com, michelin.com, continental-reifen.de

Herstellerübergreifend hilft Dir das RSC-Symbol im Kreis, das laut Pirelli als ISO-Symbol für Runflat-Reifen steht. In neueren Fahrzeugpapieren kann laut ADAC außerdem ein RF in der Reifengröße eingetragen sein, zum Beispiel 205/55 RF 16.Dann darfst Du nur Runflat-Reifen montieren.

Mercedes-Benz und Audi kennzeichnen Notlaufreifen mit ihrer Freigabe als MOE und AOE. Der Stern ★ auf vielen Reifen zeigt dagegen nur die BMW-Freigabe und sagt nichts darüber, ob es ein Runflat-Reifen ist.

Einen unmontierten Runflat Reifen erkennst Du außerdem daran, dass dieser aufgrund der Verstärkungen im Inneren schwerer ist als ein konventioneller Reifen.

Was tun nach einer Panne mit Runflat-Reifen?

Meldet das RDKS einen Druckverlust, kannst Du mit Runflat-Reifen weiterfahren, aber nur mit Einschränkungen. So gehst Du vor:

  1. Warnung ernst nehmen: Die Meldung im Cockpit ist oft der einzige Hinweis, weil die steife Flanke kaum einsinkt. Kontrolliere deshalb auch zwischendurch den Reifendruck.
  2. Höchstens 80 km/h fahren: ADAC, Continental, Michelin und Pirelli nennen meist bis zu 80 km Reststrecke. Was für Dein Auto gilt, steht im Handbuch.
  3. Direkt zur Werkstatt: Fahre ohne Umweg zur nächsten Werkstatt, statt die Reichweite auszureizen.
  4. Reifen ersetzen: Pirelli rät, einen platten Runflat-Reifen zu ersetzen statt zu reparieren. Als Ersatz gehört laut Pirelli ein gleichwertiger Runflat-Reifen aufs Auto, denn ein Standardreifen verringert Traktion und Kontrolle.
  5. RDKS prüfen: Bei vielen Autos muss das System nach dem Reifenwechsel neu lernen. Wie das RDKS-Anlernen funktioniert, hängt vom Modell ab. Erst dann warnt es Dich beim nächsten Druckverlust wieder zuverlässig.

Nachteile von Runflat Reifen

Reifen mit Notlaufeigenschaften sind heute bei den Personenkraftwagen einiger Hersteller verbreitet und ermöglichen in der Regel eine maximale Fahrstrecke von ca. 80 km bei maximal 80 km/h. Gegenüber herkömmlichen Fahrzeugreifen weisen sie jedoch auch einige Nachteile auf.

Wird ein Runflat Reifen an neuralgischen Stellen wie etwa der Seitenwand oder am Rand der Lauffläche durchstochen, kann das gesamte Rad dabei beschädigt werden, was eine Reparatur unmöglich und das Weiterfahren unsicher macht. Auch nach einer normalen Panne raten laut Continental die meisten Hersteller davon ab, einen Runflat-Reifen zu flicken, ein Austausch ist die sichere Lösung.

Runflat Reifen sind schwerer als ähnlich dimensionierte Standardreifen, der ADAC nennt etwa 0,3 kg. Die dickere Seitenwand bedeutet auch einen höheren Rollwiderstand, was den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs erhöhen kann. Der Gewichtsnachteil kann jedoch dadurch ausgeglichen werden, dass das Fahrzeug fortan kein Reserverad sowie die für den Austausch des Reserverads erforderliche Ausrüstung mehr mitführen muss.

Die dickere Seitenwand führt dazu, dass mehr Fahrbahnunebenheiten durch den Reifen zur Felge und damit zum Fahrzeug durchdringen. Ältere Runflat-Reifen federten deshalb spürbar härter, bei der neueren Generation ist davon laut ADAC-Tests kaum noch etwas zu merken.

Und schließlich liegt ein weiterer Nachteil in den höheren Kosten. Durch das aufwendigere Herstellungsverfahren kostet ein Runflat Reifen mehr als ein herkömmlicher PKW-Reifen in vergleichbarer Größe.

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Selbstdichtende Reifen als Alternative

Selbstdichtende Reifen haben in der Lauffläche eine zähe Dichtschicht. Dringt ein Nagel oder eine Schraube ein, verschließt sie das kleine Loch sofort, bei Continental (ContiSeal) bis zu einem Durchmesser von 5 mm. Auf diese Weise wird der Luftverlust von vornherein verhindert. Weiterfahren ohne Luft können diese Reifen aber nicht, das ist der Unterschied zum Runflat-Reifen. Einen Schaden an der Seitenwand deckt die Dichtschicht nicht ab. Continental rät, einen solchen Reifen nach einer Panne so bald wie möglich vom Fachmann prüfen zu lassen.

Marktsituation von Runflat-Reifen

In Deutschland sind Runflat-Reifen vor allem bei BMW und Mercedes verbreitet. Laut ADAC bekommst Du bei beiden Herstellern heute alle Modelle mit Runflat-Reifen, oft aber nur in Verbindung mit größeren Felgen. Bei Toyota, VW und den meisten anderen Autoherstellern kosten Runflat-Reifen Aufpreis.

Doch warum konnten sich die Runflat Reifen bis heute nicht flächendeckend durchsetzen? Abgesehen von den bereits angesprochenen höheren Kosten können Reifen mit Notlaufeigenschaften nicht gefahren werden, wenn der Plattfuß auf Seitenwand-Schäden zurückzuführen ist. Solche Schäden sind eine häufige Ursache für Pannen. Außerdem ist die Geschwindigkeit und Reichweite, mit der Reifen mit Notlaufeigenschaften unter den besten Umständen gefahren werden können, sehr begrenzt. Reifen mit Notlaufeigenschaften können nicht schneller als 80 km/h gefahren werden und bieten in der Regel nur bis zu 80 km erweiterte Mobilität. Diese Einschränkungen verringern für viele Käufer den Wert im Verhältnis zu den zusätzlichen Kosten.

Fazit

Runflat Reifen sind relativ schwer zu erkennen, denn es existiert bis heute keine einheitliche Bezeichnung für diese Reifenart. Achte auf das RSC-Symbol im Kreis und auf Herstellerkürzel wie SSR, RFT, ZP oder ROF. Verbreitet sind sie vor allem bei BMW und Mercedes, die laut ADAC alle Modelle mit Runflat-Reifen anbieten. Nach einer Panne fährst Du höchstens 80 km/h und meist bis zu 80 km weit, danach wird der Reifen in der Regel getauscht. Mit funktionierendem RDKS ist der Runflat Reifen durchaus eine sinnvolle und praktische Alternative zum herkömmlichen Ersatzrad und zu umständlich zu handhabenden Reparatursets für Reifen.


FAQ - Häufige Fragen

Runflat Reifen oder auch RFT Reifen erkennst Du an Kürzeln auf der Reifenflanke, etwa SSR (Continental), RFT (Bridgestone), ZP (Michelin), ROF (Goodyear, Dunlop) oder HRS (Hankook). Pirelli druckt den Schriftzug Run Flat auf. Dazu kommt oft das RSC-Symbol im Kreis. Mercedes-Benz und Audi kennzeichnen Notlaufreifen mit ihrer Freigabe als MOE und AOE. In neueren Fahrzeugpapieren kann ein RF in der Größe stehen, etwa 205/55 RF 16.

Nicht immer. Continental gibt seine SSR-Reifen für alle Standardfelgen frei, Michelin erlaubt seine Runflat-Reifen dagegen nur auf Felgen mit Doppel-Hump. Welche Kombination passt, steht deshalb in den Angaben des Reifenherstellers. Die Montage verlangt laut ADAC besondere Vorsicht, überlass sie am besten einem Fachbetrieb. Prüfe außerdem, ob Dein Auto für Runflat-Reifen vorgesehen ist und ein RDKS hat.

Meist bis zu 80 km mit höchstens 80 km/h. Diese Werte nennen ADAC, Continental, Michelin und Pirelli übereinstimmend. Wie weit Du tatsächlich kommst, hängt laut Michelin von Beladung, Außentemperatur und Straße ab. Verbindlich ist die Angabe im Handbuch Deines Autos. Fahre nach der Warnung des RDKS am besten direkt zur nächsten Werkstatt, statt die volle Reichweite auszureizen.

Ja. Weil die verstärkte Flanke das Auto auch ohne Luft trägt, merkst Du einen Druckverlust kaum. Continental und Michelin setzen deshalb ein Reifendruckkontrollsystem ausdrücklich voraus. Seit November 2014 muss in der EU jeder neu zugelassene Pkw ein RDKS haben. Fehlt das System oder funktioniert es nicht, fährst Du womöglich unbemerkt über die 80 km hinaus und riskierst einen Reifenschaden.

Meist nein. Laut Continental raten die meisten Hersteller davon ab und empfehlen den Austausch, Pirelli rät ausdrücklich zum Ersetzen statt Reparieren. Michelin erlaubt bei seinen Runflat-Reifen höchstens eine Reparatur durch einen Fachbetrieb. Bist Du auf einem Runflat-Reifen ohne Luft gefahren, wird er in der Regel getauscht. Als Ersatz empfiehlt Pirelli einen gleichwertigen Runflat-Reifen.

Der größte Vorteil: Du kannst nach einer Panne weiterfahren, statt am Straßenrand das Rad zu wechseln, und brauchst kein Reserverad. Dafür sind Runflat-Reifen teurer und laut ADAC etwa 0,3 kg schwerer als Standardreifen, außerdem lassen sie sich meist nicht reparieren. Beim Fahrkomfort ist der Unterschied bei der neueren Generation laut ADAC-Tests kaum noch zu spüren.

Bei einer Panne bieten sie einen Vorteil: Du kannst weiterfahren, statt an einer gefährlichen Stelle anzuhalten und das Rad zu wechseln. Das reduziert das Risiko, auf dem Seitenstreifen stehenzubleiben. Der Vorteil gilt aber nur mit funktionierendem RDKS und bis höchstens 80 km/h. Ist die Seitenwand stark beschädigt, hilft auch die Notlauffunktion nicht weiter.

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