RDKS anlernen nach dem Radwechsel: Wann es nötig ist und wie es funktioniert
Ob Du das RDKS nach dem Radwechsel anlernen musst, hängt vom verbauten System in Deinem Auto ab. Ein indirektes RDKS setzt Du nach jedem Radwechsel im Bordmenü zurück. Ein direktes RDKS mit Sensoren im Rad erkennt die neuen Räder je nach Modell automatisch während der Fahrt, nach einer Eingabe im Menü oder erst mit einem Anlerngerät in der Werkstatt. Hier erfährst Du, welcher Weg für Dein Auto gilt, wie lange das Anlernen dauert, welche Kosten entstehen und warum die Warnleuchte manchmal an bleibt.
Inhaltsverzeichnis
Muss das RDKS nach dem Radwechsel angelernt werden?
Das hängt davon ab, ob Dein Auto ein indirektes oder ein direktes RDKS hat. Das indirekte System misst über die Raddrehzahlsensoren des ABS und muss laut ADAC nach jeder Änderung an Rädern, Reifen oder Reifendruck neu initialisiert werden, per Knopfdruck oder im Bordmenü.
Beim direkten System sitzt in jedem Rad ein Sensor, der den Luftdruck laut ADAC auf etwa 0,1 bar genau misst. Nach einer Druckkorrektur ist bei modernen Sensoren kein neues Anlernen nötig. Kommen aber andere Räder mit anderen Sensoren ans Auto, muss das Fahrzeug diese erst erkennen. Wie die beiden Bauarten von RDK- und RDKS-Sensoren technisch arbeiten, musst Du dafür nicht im Detail wissen. Welche Technik in Deinem Auto verbaut ist, steht in der Bedienungsanleitung.
Vorgeschrieben ist das RDKS durch die EU-Verordnung (EG) 661/2009, die technischen Anforderungen regelt die UN-ECE R 64. Die Pflicht gilt seit dem 1. November 2014 für alle neuen Pkw, ältere Autos müssen nicht nachgerüstet werden.
Drei Wege: selbstlernend, über das Bordmenü oder mit Anlerngerät
Ein RDKS lernt neue Sensoren auf einem von drei Wegen an: automatisch während der Fahrt, manuell über das Bordmenü oder mit einem Diagnose- und Anlerngerät in der Werkstatt. Diese Einteilung nutzen unter anderem der Zulieferer HELLA und die Auto Bild.
Beim selbstlernenden System fährst Du nach dem Radwechsel einfach los, und das Auto ordnet die Signale der neuen Sensoren selbst zu. Wählst Du den Weg über das Bordmenü, gibst Du vorher Reifenart, Reifengröße oder Beladung ein oder speicherst den aktuellen Reifendruck, danach lernt das System während der Fahrt. In der Werkstatt meldet ein Diagnose- oder Anlerngerät die Sensoren am Fahrzeug an. Das ist nötig, wenn Dein Auto die Sensoren weder selbst erkennt noch das Anlernen im Menü anbietet.
| Weg | So läuft es ab | Beispiel laut Bedienungsanleitung | Werkstatt nötig? |
|---|---|---|---|
| Automatisch während der Fahrt | Du fährst los, und das Auto erkennt die neuen Sensoren selbst | Mercedes-Benz E-Klasse: Druckwerte erscheinen nach einigen Minuten Fahrt | nein |
| Über das Bordmenü | Du bestätigst die Reifendaten oder speicherst den Druck, danach lernt das System während der Fahrt | BMW 5er (G60): Reifeneinstellungen im Menü aktualisieren | nein |
| Mit Anlerngerät | Die Werkstatt meldet die Sensoren mit einem Diagnose- oder Anlerngerät an | Wenn das Auto die Sensoren nicht selbst erkennt | ja |
Das indirekte System gehört immer in die zweite Zeile: Du setzt es nach jedem Rad- oder Reifenwechsel sowie nach jeder Druckkorrektur im Bordmenü zurück.
RDKS selbst anlernen: so gehst Du vor
Selbst anlernen kannst Du, wenn Dein Auto den automatischen Weg oder die Eingabe über das Bordmenü vorsieht. Bei allen vier Beispielen in der Markentabelle weiter unten ist das der Fall.
- Reifendruck einstellen: Stelle zuerst den richtigen Reifendruck ein. Bei einigen Systemen gelten diese Werte nach dem Zurücksetzen als Sollwerte.
- Reifendaten eingeben: Je nach Auto bestätigst Du Reifenart, Reifengröße oder Beladung, beim Porsche Taycan im Zentraldisplay, beim BMW 5er (G60) in den Reifeneinstellungen.
- Druck speichern: Beim indirekten System, etwa im Audi Q3, wählst Du "Reifendruck speichern". Speichere aber nie mit montierten Schneeketten.
- Losfahren: Jetzt beginnt die Lernphase. Fahre, bis das Display die Einzeldrücke anzeigt oder die Meldung erlischt.
- Ergebnis prüfen: Bleibt eine Meldung stehen, prüfe, ob in jedem Rad ein Sensor sitzt. Laut BMW-Anleitung löst ein Rad ohne Sensor eine Störungsmeldung aus.
Audi, BMW, Mercedes und Porsche im Vergleich
Jeder Hersteller löst das Anlernen anders, oft gibt es sogar Unterschiede zwischen einzelnen Modellen. Die Tabelle zeigt vier Baureihen mit den Angaben aus ihrer Bedienungsanleitung.
| Marke und Baureihe | Was Du nach dem Radwechsel tust | Was die Anleitung außerdem sagt |
|---|---|---|
| Audi Q3 mit indirekter Reifendruck-Kontrollanzeige | Den Solldruck einstellen, dann im MMI unter Reifendruckkontrolle "Reifendruck speichern" wählen (Menüpfad je nach Modell verschieden) | Nach jeder Druckänderung und jedem Radwechsel neu speichern, aber nie mit montierten Schneeketten |
| BMW 5er (G60) | Die Reifeneinstellungen im Menü aktualisieren | Nach einer Fahrt von mehreren Minuten erkennt das System die Reifen, die letzten Angaben für Sommer- und Winterreifen bleiben gespeichert |
| Mercedes-Benz E-Klasse | Keine Eingabe nötig, neue Räder und Sensoren erkennt das System automatisch | Sensoren müssen in allen vier Rädern verbaut sein, die Druckwerte erscheinen nach einigen Minuten Fahrt |
| Porsche Taycan (Anleitung 2021) | Reifenart, Reifengröße und Beladung im Zentraldisplay einstellen, danach startet die Lernphase | Die Einzeldrücke erscheinen ab etwa 25 km/h, ohne Aktualisierung ist die Überwachung gestört |
Audi verbaut je nach Modell ein indirektes oder ein direktes System. Welche Variante in Deinem Auto steckt, findest Du heraus, wenn Du weißt, wie Du RDKS-Sensoren bei Audi erkennen kannst. Ältere BMW-Modelle mit dem System RDC brauchen laut Bedienungsanleitung nach dem Radwechsel einen Reset und übernehmen die Drücke nach einer kurzen Fahrt mit über 30 km/h als Sollwerte.
Wie lange dauert das Anlernen?
Eine feste Zeit für alle Autos gibt es nicht, die Dauer hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab. Laut HELLA erkennt ein VW Passat B8 die Sensoren während der Fahrt ab mehr als 25 km/h, das dauert bis zu 20 Minuten. Der BMW 5er (G60) braucht laut Bedienungsanleitung eine Fahrt von mehreren Minuten. Die Mercedes-Benz E-Klasse zeigt die Druckwerte nach einigen Minuten Fahrt an. Beim Porsche Taycan erscheinen die Einzeldrücke nach der Lernphase ab etwa 25 km/h.
Plane Deine erste Fahrt nach dem Radwechsel deshalb so, dass Du eine Weile zügig fahren kannst, etwa über Land statt im Stadtverkehr.
Was kostet es, und kann jede Werkstatt RDKS anlernen?
Beim direkten System kostet das Anlernen in der Werkstatt laut ADAC (Stand März 2026) meist 20 bis 50 Euro pro Fahrzeug. Für das indirekte System verlangen Werkstätten bis zu 20 Euro, obwohl Du es selbst per Knopfdruck zurücksetzen kannst.
Nicht jede Werkstatt kann jedes Auto anlernen, denn dafür ist ein Diagnose- oder Anlerngerät mit der passenden Software für Dein Fahrzeug nötig. Frag deshalb vorher nach. Teurer wird es, wenn ein Sensor ersetzt werden muss: Da die Batterie fest vergossen ist, wird bei leerer Batterie der ganze Sensor getauscht. Laut ADAC hält sie je nach Fahrprofil mehrere Jahre.
Warnleuchte bleibt an: die häufigsten Ursachen
Bleibt die RDKS-Warnleuchte nach dem Radwechsel an, hat das einen von wenigen typischen Gründen. Schon das Verhalten der Leuchte gibt laut HELLA einen Hinweis: Blinkt sie zunächst und leuchtet dann dauerhaft, liegt ein Systemfehler vor. Leuchtet sie gleich dauerhaft, stimmt der Reifendruck nicht. Prüfe deshalb zuerst den Luftdruck an allen vier Rädern. Erst wenn er überall stimmt und die Leuchte trotzdem nicht erlischt, lohnt sich der Blick auf Sensoren und Anlernen. Hat Dein Auto ein indirektes System und hast Du es nach dem Wechsel nicht zurückgesetzt, holst Du das zuerst nach, denn laut ADAC muss es nach jeder Änderung an Rädern, Reifen oder Reifendruck neu initialisiert werden.
- Zu wenig LuftEin Reifen verliert Druck oder hat eine Panne, das System warnt wie vorgesehen (ADAC).
- Nicht angelerntDie Sensoren der neu montierten Räder sind dem Auto noch nicht bekannt (ADAC).
- Reset nicht abgeschlossenDer Vorgang im Bordmenü wurde nicht vollständig beendet (BMW-Anleitung).
- Rad ohne SensorEin Rad ohne Sensor löst laut BMW-Anleitung eine Störungsmeldung aus.
- Defekter SensorIst ein Sensor defekt oder seine Batterie leer, brauchst Du einen neuen RDK-Sensor (Auto Bild).
- FunkstörungDie Signale der Sensoren kommen nicht beim Auto an (BMW-Anleitung).
Ignorieren solltest Du die Warnleuchte nicht. Seit dem 20. Mai 2018 gilt ein nicht funktionierendes serienmäßiges RDKS bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel, Grundlage ist die Richtlinie 2014/45/EU. Die Prüfer kontrollieren das über die Kontrollleuchte. Laut TÜV Rheinland fällt ein Pkw mit direktem System und einer Erstzulassung ab dem 1. November 2014 durch, wenn in den Winter- oder Neufelgen die Sensoren fehlen.
Kompletträder mit Sensoren: was vor dem Kauf zu klären ist
Hat Dein Auto ein direktes RDKS, braucht jeder Radsatz eigene Sensoren, also auch der zweite Satz für den Winter. Ohne Sensoren meldet das System eine Störung, und bei der Hauptuntersuchung gibt es keine Plakette. Für einen zweiten Satz Sensoren rechnet der ADAC mit 120 bis 300 Euro. Wenn Du Dich für Winterkompletträder entscheidest, achte deshalb schon beim Kauf darauf, dass Sensoren verbaut sind. Dann musst Du die Räder nach dem Wechsel nur noch auf dem Weg anlernen, den Dein Auto vorsieht. Bei gebrauchten Kompletträdern lohnt sich die Frage nach dem Alter der Sensoren: Die Batterie ist fest vergossen, und ist sie leer, muss der ganze Sensor getauscht werden.
- Sensoren in allen Rädern: Die Mercedes-Benz E-Klasse etwa braucht laut Bedienungsanleitung Sensoren in allen vier Rädern.
- Frequenz 433 MHz: In Europa funken die Sensoren laut HELLA auf 433 MHz, die Frequenz 315 MHz ist für andere Märkte vorgesehen.
- Passend zum Fahrzeug: Der Sensor muss zu Deinem Auto passen. Universalsensoren werden dafür vor dem Einbau programmiert.
Der BMW 5er (G60) speichert laut Bedienungsanleitung die zuletzt eingegebenen Angaben für Sommer- und Winterreifen. Wechselst Du im Herbst auf originale BMW Winterkompletträder, aktualisierst Du die Reifeneinstellungen im Menü, und nach mehreren Minuten Fahrt erkennt das Auto die neuen Räder.
Fazit: Erst das System kennen, dann anlernen
Ob und wie Du das RDKS nach dem Radwechsel anlernen musst, hängt von der Bauart ab. Das indirekte System setzt Du nach jedem Wechsel selbst zurück. Beim direkten System erkennt das Auto die Sensoren je nach Modell automatisch, über eine Eingabe im Bordmenü oder mit einem Diagnosegerät in der Werkstatt. Ein zweiter Radsatz braucht eigene Sensoren, sonst gibt es bei der Hauptuntersuchung keine Plakette.
Häufige Fragen zum RDKS-Anlernen
Nein, nicht automatisch. Die Werkstatt braucht ein Diagnose- oder Anlerngerät mit der passenden Software für Dein Fahrzeug, frag also vorher nach. Erkennt Dein Auto die Sensoren selbst oder bietet es das Anlernen im Bordmenü an, brauchst Du gar keine Werkstatt.
Ja, wenn Dein Auto die Sensoren während der Fahrt selbst erkennt oder das Anlernen über das Bordmenü anbietet. Du stellst den Solldruck ein, bestätigst je nach Modell die Reifendaten und fährst los. Die Mercedes-Benz E-Klasse erkennt neue Sensoren laut Anleitung sogar ganz ohne Eingabe.
Beim direkten System berechnen Werkstätten laut ADAC meist 20 bis 50 Euro pro Fahrzeug. Für das Zurücksetzen eines indirekten Systems fallen bis zu 20 Euro an, obwohl Du das selbst per Knopfdruck erledigen kannst. Lernt Dein Auto die Sensoren selbst oder über das Menü an, kostet Dich das Anlernen nichts.
Beim indirekten System immer, denn es wird per Knopfdruck oder im Bordmenü zurückgesetzt. Beim direkten System geht es ohne Gerät, wenn Dein Auto selbstlernend ist oder das Anlernen im Menü anbietet. Ein Anlerngerät brauchst Du nur, wenn das Fahrzeug die Sensoren nicht selbst erkennt.
Das hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab. Ein VW Passat B8 braucht laut HELLA bis zu 20 Minuten Fahrt ab mehr als 25 km/h. Der BMW 5er (G60) und die Mercedes-Benz E-Klasse erkennen die neuen Räder laut Anleitung nach mehreren beziehungsweise einigen Minuten Fahrt.
Universalsensoren werden laut HELLA vor dem Einbau drahtlos für Dein Fahrzeug programmiert. Dabei lassen sich die Daten des alten Sensors kopieren, oder der neue Sensor bekommt eine neue ID. Mit einer neuen ID lernt das Auto den Sensor danach auf dem Weg an, den Dein Fahrzeug vorsieht.
Beim indirekten System ja, denn es muss nach jedem Radwechsel zurückgesetzt werden. Beim direkten System hängt es vom jeweiligen Fahrzeug ab. Beim BMW 5er (G60) aktualisierst Du die Reifeneinstellungen, die Mercedes-Benz E-Klasse erkennt die Räder automatisch, und beim Porsche Taycan stellst Du die Reifendaten im Zentraldisplay ein.
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