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 Winterreifen Mindestprofiltiefe und gesetzliche Vorschriften

Profiltiefe bei Winterreifen: Mindestprofiltiefe, Empfehlung und was zu wenig Profil kostet

Lesezeit: 8 Min.
OR24
24.09.2026

Gesetzlich reichen 1,6 mm Profil, auch bei Winterreifen. Sinnvoll ist das im Winter nicht: ADAC und TÜV empfehlen mindestens 4 mm, darunter wird der Reifen auf Schnee messbar schlechter. Hier liest Du, was die Werte dazwischen bedeuten, wie Du Dein Restprofil selbst prüfst, was zu wenig Profil kostet und was im Ausland gilt.


Wie viel Profil Winterreifen haben müssen

Mindestens 1,6 mm. Diese Zahl steht in § 36 Absatz 3 StVZO und gilt für Sommer- und Winterreifen gleichermaßen. Gemessen wird im Hauptprofil - den breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Breite einnimmt - und zwar am ganzen Umfang des Reifens.

Die Vorgabe gilt je einzelnem Reifen, nicht als Mittelwert über Achse oder Fahrzeug: Ein Reifen mit 5 mm gleicht einen zweiten mit 1,4 mm nicht aus. Für Leichtkrafträder und Kleinkrafträder genügt 1 mm, für Pkw und Anhänger bleibt es bei 1,6 mm.

Davon getrennt: wann überhaupt Winterreifen aufs Auto gehören. § 2 Absatz 3a StVO schreibt das nicht nach Kalender vor, sondern bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte - maßgeblich ist dann zusätzlich das Alpine-Symbol auf der Flanke.

Was 3, 5 oder 6 Millimeter in der Praxis bedeuten

Profiltiefenmesser steckt in der Hauptrille eines Winterreifens und zeigt das Restprofil an

Zwischen dem gesetzlichen Minimum und dem Werkszustand liegt eine große Spanne, die entscheidende Marke darin ist 4 mm: Darüber bist Du unkritisch unterwegs, darunter kostet jeder Millimeter auf Schnee messbar Haftung.

Eigene Grenzwerte für 3, 5 oder 6 mm gibt es nicht - die Einordnung ergibt sich allein aus den beiden bekannten Marken: 1,6 mm als Rechtsgrenze, 4 mm als Empfehlung.

Praktisch heißt das: Mit 6 oder 5 mm kommst Du ruhig durch den Winter. Bei 4 mm läuft die Zeit, und mit 3 mm bist Du zwar legal unterwegs, liegst aber unter dem, was ADAC und TÜV für Schnee für sinnvoll halten.

Restprofil im Vergleich

Restprofil Rechtlich Was das im Schnee bedeutet
8 bis 10 mm (neu) zulässig Werkszustand eines fabrikneuen Winterreifens. Der ADAC misst hier aus 30 km/h auf Schnee 31,9 m Bremsweg.
6 mm zulässig Deutlich über der Empfehlung von ADAC und TÜV, reichlich Abstand zur 4-mm-Marke.
5 mm zulässig Weiter über der Empfehlung, der Abstand zur 4-mm-Marke wird aber kleiner.
4 mm zulässig Die von ADAC und TÜV genannte Untergrenze. Traktion 8,8 Prozent und Bremsleistung 12,4 Prozent schwächer als neu, Bremsweg 3,2 m länger.
3 mm zulässig Unter der Empfehlung beider Verbände. Die Einbußen liegen zwischen den für 4 mm und für 2 mm gemessenen Werten.
1,6 mm gesetzliches Minimum nach § 36 Absatz 3 StVZO Schon bei 2 mm misst der ADAC 37,3 m Bremsweg statt 31,9 m.

Warum 1,6 Millimeter im Winter zu wenig sind

Weil der Reifen seine Wirkung über das Profil erzeugt, nicht allein über die Gummimischung: Aus 30 km/h auf Schnee steht ein Neureifen nach 31,9 m, mit 2 mm Restprofil erst nach 37,3 m.

Nahaufnahme der feinen Lamellen eines Winterreifens mit anhaftendem Schnee in den Profilblöcken

Verantwortlich dafür sind die Lamellen, also feine Einschnitte in den Profilblöcken. Diese Kanten verzahnen sich mit dem Schnee, und bis zu 2.000 davon stecken in einem Winterreifen. Mit jedem Millimeter Abrieb werden die Einschnitte flacher und ihre Wirkung kleiner.

Dazu kommt die Laufflächenmischung. Diese bleibt bei Kälte weicher und hält den Kontakt zur Fahrbahn, während härteres Gummi über den Schnee gleitet. Die beste Mischung nützt allerdings wenig, wenn die Kanten fehlen, die den Schnee greifen.

Wie stark der Verlust ausfällt, ist gemessen: Bei 4 mm liegt die Traktion 8,8 Prozent und die Bremsleistung 12,4 Prozent unter der eines Neureifens, bei 2 mm sind es 15,9 beziehungsweise 20,5 Prozent.

Auf der Straße sind das keine Nachkommastellen, sondern Meter vor der Ampel - deshalb lohnt es, rechtzeitig zu entscheiden, wann Du auf Winterreifen wechselst, statt einen abgefahrenen Satz noch eine Saison mitzunehmen.

So prüfst Du Deine Profiltiefe in zwei Minuten

Du brauchst dafür nur ein Profiltiefenmessgerät aus dem Zubehörhandel: Setz es senkrecht in eine Hauptrille, drück den Messstift bis auf den Rillengrund und lies den Wert ab.

Wiederhole das an allen vier Rädern mehrfach: innen, mittig und außen, dazu an mehreren Stellen über den Umfang. Reifen laufen sich selten gleichmäßig ab, maßgeblich ist immer der niedrigste Wert.

Wer die Profiltiefe messen will, ohne eine Stelle zu übersehen, geht Rad für Rad vor und notiert die Werte gleich mit.

Bei uns findest Du Deine Felgen!

Wähle Deine Marke:

Was zu wenig Profil kostet

60 Euro und einen Punkt, wenn Du mit zu wenig Profil angehalten wirst. Kommt eine Gefährdung anderer dazu, sind es 75 Euro, bei einem Unfall 90 Euro. Der Punkt in Flensburg bleibt in allen drei Fällen.

Geahndet wird der Vorfall, nicht jeder einzelne Reifen - vier abgefahrene Reifen kosten also nicht das Vierfache. Auch der Halter haftet: Wer die Fahrt mit zu geringem Profil zulässt, zahlt 75 Euro und bekommt ebenfalls einen Punkt.

Tatbestand Bußgeld Punkte
Mit zu wenig Profil gefahren 60 Euro 1
Dabei andere gefährdet 75 Euro 1
Dabei einen Unfall verursacht 90 Euro 1
Halter lässt die Fahrt zu 75 Euro 1
Quelle: bussgeldkatalog.org

Im Netz kursieren abweichende Beträge, häufig 88,50 Euro statt 60 Euro. Grund: Alle genannten Bußgelder liegen über der Verwarnungsgeld-Grenze, es kommt also ein Bußgeldbescheid, der 28,50 Euro an Gebühren und Zustellkosten mitbringt. Das Bußgeld selbst bleibt bei 60 Euro.

Was die Versicherung nach einem Unfall zahlt

Automatisch gekürzt wird nichts. Eine Kaskoversicherung kann Dir bei zu wenig Profil aber grobe Fahrlässigkeit vorwerfen und die Leistung quoteln - nur einen Teil des Schadens übernehmen. Ein Alles-oder-Nichts gibt es dabei nicht mehr.

Wie hoch eine Quote ausfällt, hängt vom Einzelfall ab - eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, wie weit das Profil unter der Grenze lag, wie offensichtlich das war und welche Rolle es beim Unfall spielte.

Dass zu wenig Profil für sich genommen noch nichts entscheidet, zeigt ein Urteil des OLG Köln vom 25.04.2006 (Az. 9 U 175/05). Dort begründete die zu geringe Profiltiefe keine Leistungsfreiheit, weil der Versicherungsnehmer die Reifen kurz zuvor in einer Fachwerkstatt hatte montieren lassen und auf deren Hinweis vertrauen durfte.

Welche Mindestprofiltiefe im Ausland gilt

Hinter der Grenze gelten eigene Zahlen, meist höher als in Deutschland. Österreich verlangt bei winterlichen Verhältnissen zwischen dem 01.11. und dem 15.04. vier Millimeter bei Radialreifen und fünf Millimeter bei Diagonalreifen.

In Frankreich, Tschechien und Schweden gelten je nach Fahrzeuggewicht und Zeitraum eigene Werte zwischen 3 und 6 mm, Details zeigt die Tabelle unten. Italien hat keine bundeseinheitliche Regel, dort entscheiden Provinz und Streckenbetreiber, und die Schweiz kennt weder eine gesetzliche Pflicht noch eine vorgeschriebene Mindestprofiltiefe.

Land Zeitraum Mindestprofiltiefe
Österreich 01.11. bis 15.04., situativ 4 mm bei Radialreifen, 5 mm bei Diagonalreifen
Italien je nach Provinz und Streckenbetreiber keine bundeseinheitliche Regel
Frankreich 01.11. bis 31.03. in Bergregionen (Loi Montagne) 3,5 mm seit November 2024
Tschechien 01.11. bis 31.03. 4 mm bis 3,5 Tonnen, 6 mm darüber
Schweden 01.12. bis 31.03. 3 mm bis 3,5 Tonnen, 5 mm darüber
Schweiz keine gesetzliche Pflicht keine Vorgabe
Quelle: adac.de

Wer mit 4 mm nach Österreich fährt, erfüllt die Vorgabe gerade so - und liegt genau auf dem Wert, ab dem ADAC und TÜV zum Wechsel raten.

Wann ein neuer Satz fällig ist

Spätestens dann, wenn das Restprofil die bekannte 4-mm-Marke erreicht. Zwei weitere Punkte gehören zur Entscheidung: das Alter des Reifens und ein ungleichmäßiges Abriebbild.

Ein abgefahrener und ein neuer Winterreifen nebeneinander mit deutlich sichtbarem Profilunterschied

Ein fabrikneuer Winterreifen liegt meist zwischen 8 und 10 mm, einzelne Modelle kommen mit weniger vom Band. Bis zur 4-mm-Marke steht Dir also etwa die Hälfte des Profils zur Verfügung - wie viel neue Winterreifen ab Werk genau mitbringen, hängt vom Modell ab.

Das Alter liest Du an der DOT-Nummer auf der Flanke ab. Auch ein Reifen mit viel Restprofil altert, und irgendwann nützt das Profil allein wenig.

Schau Dir beim Messen außerdem an, ob der Abrieb gleichmäßig ausfällt. Läuft eine Schulter deutlich schneller ab als die andere, stimmt meist etwas an Luftdruck oder Achseinstellung nicht, und ein neuer Satz wäre schnell im selben Zustand.

Beim Wechsel lohnt der Blick auf den Radsatz. Original Kompletträder bringen Größe, Einpresstiefe und Herstellerfreigabe bereits mit, kommen fahrfertig ausgewuchtet an und ersparen Dir das Ummontieren zweimal im Jahr. Bei OR24.de bekommst Du sie für Audi, BMW, Mercedes samt AMG und Porsche.

Fazit

1,6 mm sind die Grenze, an der es rechtlich eng wird, 4 mm die Grenze, an der es auf Schnee eng wird. Wer im Herbst alle vier Reifen misst, das DOT-Datum mitliest und bei 4 mm den neuen Satz einplant, hat das Thema für die Saison erledigt - und wer über die Grenze fährt, schaut vorher kurz auf die Zahl des Ziellandes.

Häufige Fragen zur Profiltiefe bei Winterreifen

Fahren darfst Du, denn gesetzlich liegt die Grenze bei 1,6 mm. Sinnvoll ist es im Winter nicht: ADAC und TÜV nennen 4 mm als Untergrenze, und 3 mm liegen darunter. Auf Schnee verlierst Du dort spürbar Traktion und Bremsleistung - den neuen Satz planst Du besser vor der nächsten Kältewelle ein.

Ja. 6 mm liegen deutlich über der 4-mm-Empfehlung von ADAC und TÜV und weit über dem gesetzlichen Minimum von 1,6 mm. Neue Reifen liegen ab Werk meist zwischen 8 und 10 mm, bei 6 mm hast Du also noch reichlich Reserve und musst für die Saison nichts unternehmen.

Mindestens 4 mm. Unterhalb dieses Werts wird der Reifen auf Schnee messbar schlechter: Bei 4 mm misst der Automobilclub bereits 8,8 Prozent weniger Traktion und 12,4 Prozent weniger Bremsleistung als bei einem Neureifen. Der TÜV nennt dieselbe Marke für den Wechsel, gesetzlich gefordert sind weiterhin nur 1,6 mm.

Ja, und zwar mit klarem Abstand. Zulässig ist alles ab 1,6 mm, empfohlen werden 4 mm, 5 mm liegen über beiden Werten - Du kannst die Saison damit normal fahren. Behalte den Wert trotzdem im Blick, denn bis zur 4-mm-Marke ist es von dort nicht mehr weit.

Pro Reifen. § 36 Absatz 3 StVZO verlangt die 1,6 mm am ganzen Umfang jedes einzelnen Reifens. Eine Regelung für einen Mittelwert über Achse oder Fahrzeug gibt es nicht - ein gut profilierter Reifen gleicht einen abgefahrenen auf derselben Achse also nicht aus.

Meist 8 bis 10 mm, abhängig von Hersteller und Modell, einzelne Modelle liegen darunter. Fabrikneue Sommerreifen starten mit etwa 7 bis 8 mm etwas flacher. Bis zur 4-mm-Marke steht Dir bei einem neuen Reifen also ungefähr die Hälfte des Profils zur Verfügung - der nutzbare Bereich liegt damit zwischen 8 und 4 mm.

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